7. März 2014

Philip Guston – Das große Spätwerk (in der Sammlung Falckenberg)




"Philip Guston – Das große Spätwerk" in der Sammlung Falckenberg

Eine Fahrt mit der S-Bahn über die Elbe Richtung Süden. Bei herrlichen Sonnenuntergang an den Deichtorhallen, der Hafencity und dem Oberhafenquartier vorbei. Mitten herein nach Harburg. Immer wieder überraschend wir nah dieser Teil von Hamburg eigentlich ist. Diese Fahrt hat zudem auch noch einen besonderen Grund. Die Sammlung Falckenberg hinter dem Phönix-Center ruft wieder einmal zur Ausstellungsbesichtigung. Zur Zeit wird das Spätwerk (1967 bis 1980) von Philip Guston gezeigt.
 

Eigentlich bin ich bereits bei den Eröffnungen in der Sammlung Falckenberg, aber in der Woche war ich nicht in Hamburg und so auch nicht bei der Vernissage. Was schnell wieder wett zu machen wäre. Ich habe mir einen der ersten Termine für die Führung in den ehemaligen Phönix-Werkhallen rausgesucht. Zur Zeit sind die Ausstellungen in der Sammlung Falckenberg leider nur mit voriger Anmeldung und Führung zu sehen. Ausnahme sind die Eröffnungstage, an denen genug Aufsichtspersonal vor Ort ist und die Besucher durchs Haus schlendern können.



Um 18 Uhr beginnt die Führung und kurz vorher sind auch alle Angemeldeten da. Jedes mal wieder bin ich über die Räumlichkeiten dieses Gebäudes begeistert. Der Industriecharme, die Sichtachsen und die Weite des Gebäudes haben einen ganz eigenen Charakter. Gerne würde ich hier mal eine Nacht eingeschlossen sein und die Räume erobern.

Die Kulturwissenschaftlerin Stefanie Reimers zeigt uns in der 90 minütigen Führung die Bilder des 1913 geborenen und 1980 verstorbenen Künstlers. Es sind die Werke aus den letzten 13 Jahren seines Lebens. Frau Reimers erzählt begeistert über den Künstler und versucht uns mit in ihre Interpretationen zu animieren. Wir sollen eigene Ansichten zu zulassen und äußern, mutig sein und keine Angst vor „Fehlern“ haben. Ich selber muss erst mal warm werden mit dieser Art von Malerei. Zwar packt sie mich, aber ich kann noch nicht viel dazu sagen. Die Welt da draußen ist noch zu nah und die Welt hier drin noch zu weit weg


Die kleinen Anekdoten und Einsortierung in die Kunstgeschichte macht die Führung spannend. So erfahren wir, dass Guston am Tag abstrakt und dann Nachts figürlich malt. Großartige Idee! Die Aussage, das Leben wäre sowieso schon abstrakt genug um nur abstrakt zu malen begeistert mich zudem. In der Zeit den ausgehenden 60er Jahre muss es ein NoGo gewesen sein, figürlich zu malen – aber vielleicht macht das genau dies das Besondere aus. Wenn man sich vorstellt, dass sich scheinbar gute Freunde von Guston wegen seiner neuen Malweise abgewendet haben – unvorstellbar (und auf alle Fälle bescheuert!)


Die Bilder selber zeigen einen tiefgründigen Humor zwischen Trauer und Witz. Seine fast kinderbuchartigen Bilder der Zeit bis 1973, mit dem immer wiederkehrenden Thema Ku-Klux-Klan berühren sehr. Daneben entstand ein spannender Nebeneffekt in meinem Kopf. Die in den Bildern scheinbar stümperhaft genähten Mützen des Klans, erinnern mich im ersten Moment an R2D2 (mit Mütze) aus StarWars. Einen wirklichen Zusammenhang kann man aber wegen der zeitliche Abfolge ausschließen (StarWars kam erst 1977 in die Kinos).
Der schon angesprochenen Humor zeigt sich auch in der Auseinandersetzung mit den zeitgenössischen Malerkollegen. Er nimmt sie einfach nicht so ernst. Er nimmt scheinbar alles nicht so ernst. Anders gesagt, er begegnet dem Ernst oft mit eine ordentlichen Packung Humor und Sarkasmus. 


Die späteren Bilder mit dem Motiv der Schuhe wurden von den Anwesenden der Führung immer wieder mit dem Holocaust in Verbindung gebracht. Wegen der jüdischen Herkunft Gustons (geborener Goldstein) und den immer wieder angedeuteten Schuhbergen sicherlich naheliegend. Mir kam aber bei der Betrachtung der Bilder viel stärker das Thema der Armut in den Sinn. Eines zeigt einen im Bett liegenden Mann mit angezogenen Schuhen. Dieses ist für mich eigentlich immer ein Zeichen für „auf dem Sprung sein“ oder „nicht zur Ruhe kommend“. Auch dieses lässt sich in der Biografie Gustons wiederfinden, er kam aus wirklich armseligen Verhältnissen.

Die Führung schaffte es dann auch bei mir, mich einfach mal Spekulationen hinzugeben. Genau dieses hat der Künstler scheinbar auch gewollt. Das Werk sollte offen bleiben für Interpretationen. Diese „Erlaubnis“ des Künstlers gibt mir im Kopf seltsamerweise wirklich Freiraum zum Denken und Ergründen. Eigentlich bräuchte ich so eine „Erlaubnis“ doch nicht, aber sie hilft trotzdem. Die immer wiederkehrenden Motiven (wie zum Beispiel Glühbirne, Zigarette, Hände, Pinsel, Peitschen) geben weitere Anhaltspunkte für Denkvorgänge. 





90 Minuten sind einfach zu kurz. Diese Ausstellung (und auch die der Vergangenheit) sprengen einfach die vorgegebene Zeit und daher hat mich die Ankündigung für erweiterte Öffnungszeiten sehr gefreut. Die Führung selber war wie immer in diesem Haus hervorragend und lebendig. Ich habe hier immer das Gefühl, das die Menschen, die die Führung machen, selber voll und ganz begeistert sind. So macht Kunst Spaß.




Infos:

Die Ausstellung geht noch bis zum 25. Mai 2014

Führungen nach vorheriger Anmeldung: sammlung-falckenberg

Eintritt 15€/12€

Die Preise sind sicherlich kein Schnäppchen - aber dafür immer mit Führung. Bei den Eröffnungen ist zudem freier Eintritt und somit jedem möglich sich die Bilder anzuschauen.





P.S. Wie immer sind bei mir bestimmt wieder ein paar Rechtschreib- und Satzstellungsfehler, zu wenige ",,," und der ein oder andere "komische" Satz. Aber das gehört bei mir wohl einfach dazu. Deshalb nicht schreiben? Pffff!

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