20. Oktober 2013

Günter Fruhtrunk - oder auch - Alle kennen ein Werk



Aldi den Namen kennt jeder, aber Günter Fruhtrunk kennen nicht viele. Dabei sind diese eng miteinander verwoben. Wenigstens wenn einen die Kunst interessiert und im Norden der Republik wohnt. 

Aldi-Nord - Lebensmitteldiscounter und prägend für den Einzelhandel in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Mit immer größeren Läden und einem überschaubaren Sortiment revolutionierten sie die Einzelhandel. Sie waren nicht die ersten Supermärkte, die in den 50er Jahren eröffneten, sie waren aber sicherlich das Optimum, wenn es um den Profit ging. Nach der ersten Eröffnungswelle teilten sich die Albrecht-Brüder die Republik auf. Und beide Läden waren zwar noch in Kooperation, bekam aber ihr eigenes Gesicht. Der Süden entschied sich für ein hausgemachtes Label, in gelb und orange. Der Norden dagegen entschied sich für etwas besonderes. Einen Künstler, der sich Gedanken über das Aushängeschild des Supermarktes machen sollte – über die Plastiktüte! Aldi Nord engagierte 1970 den Künstler Günter Fruhtrunk und das Wiedererkennungsmerkmal mit den Blau-weißen Tüten war geboren. 

Ein Kunstwerk auf großer Fahrt (hier im HVV-Bus)
G. Fruhtrunk gehört zu den Vertretern des deutschen Konstruktivismus. Er war beteiligt an renommierten Ausstellungen wie der Documenta4 oder an der Venedig Biennale 1968. Wenn man sich seine Bilder anschaut und den Bezug zu den Aldi-Tüten kennt, kann man parallelen ziehen: Gerade Linien, klare Farben, Brüche im Bildaufbau, Minimalismus mit einem Hauch mehr. Das Magazin Monopol spricht von einem der wichtigsten Vertretern der deutschen Nachkriegsmalerei. Er wäre zudem zu Unrecht von vielen vergessen worden. Wenn man dann auch noch den Sammlungsleiter Dr. Martin Engler des StädelMuseum aus Frankfurt bei seiner begeisterten Beschreibung eines der Werke von Fruhtrunk zusieht, kann man dem Urteil vom Monopol wohl auch glauben schenken.

Er ist ein Künstler der es verdient wieder entdeckt zu werden. Auch wenn Günter Grass zu seiner Kunst meint, sie hätte nur die Tapetenindustrie inspirierte. Natürlich huschte mir auch ein Grinsen übers Gesicht als ich mitbekam, dass diese Blau-Weißen Streifen, die ich mein ganzes Leben schon kenne, von einem wirklichen Künstler kommen. Dem Grinsen folgte aber sofort die Neugierde. Ich werde sicherlich dran bleiben und mal schauen was dar noch so hinter steckt.

Spannend zu dem Künstler Günter Fruhtrunk ist sicherlich der Artikel im Monopol-Magazin von Florian Illies aus dem Juli 2009: Aufstieg und Fall des Günter F.


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