1. April 2012

Gerhard Richter - Panorama

"Gerhard Richter - Panorama" in der Neuen Nationalgalerie (Berlin) vom 13.2. bis 13.5.2012

Gerhard Richter und die Neue Nationalgalerie.

Nochmal Berlin. Am letzten Freitag hat es mich in die Neue Nationalgalerie getrieben. Eine große Retrospektive des gerade im Februar diesen Jahres 80 gewordenen Künstlers Gerhard Richter. Bei meinem Eintreffen sah ich bereits von weiten eine längere Menschenschlange am Haus stehen und befürchtete eine mehrstündige Wartezeit. Aber das was mich im ersten Moment erschreckte war dann doch nur der erste Anschein. Nach nicht mal 20 Minuten war ich drin.

Ein guter Tag für eine Ausstellung! Nasses und kaltes Wetter in Berlin!

Die Ausstellung beginnt bereits in der Schlange am Eingang, also bevor man wirklich im Gebäude ist. Beim Warten kann man einen Teil der bunt lackierten Tafeln des Werkes "4900 Farben" in der äußeren Galerie sehen. Im Vorraum überraschte mich dann der Auftakt der Ausstellung. In dem Vorraum begrüßen einen die Bilder aus der Zeit von 2002 bis 2010. Dieser Bereich ist somit Ausstellungsfläche und Foyer in einem. Von dort geht es dann zur Garderoben und zur Kasse im Untergeschoss. Mit dieser Art von „Einladung“ wurde ich sofort gepackt und war gespannt auf den weiteren Verlauf.

Der Eintritt ist völlig OK (habe durch eine Kunstzeitschrift den ermäßigten Tarif.). Auch dieses mal wird mich ein Audioguide begleiten. Mir selber brachten die Texte aber nur bedingt neues zu Ohren. Denke aber für andere, die sich noch nicht mit Gerhard Richter beschäftigt haben, ist der Einstieg gut gelungen.
Schon vorher erahnen, was später zu sehen ist.
Die Ausstellung ist chronologisch aufgebaut und beginnt mit den bekannten Schwarz/Weiß/Grau Bildern von Bomben abwerfende Flugzeugen und Toilettenrolle aus der Zeit der frühen 60er Jahre. Unter anderem wird auch das Bilder „Ema (Akt auf einer Treppe)" gezeigt. Schon bald kommt ein Bild aus der Reihe  Seestücke. Es ist faszinierend!
Auch ein paar Objekte aus Spiegeln oder Glas sind in die Ausstellung integriert. Diese bestechen durch ihre Interaktion mit dem Betrachter. Durch ihren Minimalismus wirken sie ungemein verbindend. Wenn ich als Betrachter ein Teil vom Kunstwerk werde, fühle ich mich noch intensiver mit dem Werk verbunden.

Die abstrakten Werke werden mehr, aber auch die Farbvielfalt nimmt zu, die Größe der meisten Bilder ebenso. Ab der 90er Jahre nimmt (wenigstens in dieser Ausstellung) die Gegenständliche Malweise wieder zu und es werden Themen greifbar. Zum Beispiel wird der 11. September 2001 wird in einem Werk dieser Zeit behandelt. Eindrücklich wird dort das Abstrakte oder eben auch das „Nicht zu bergeifende“ in das Werk integriert. Auch wenn es sich vielleicht auf den ersten Moment platt anhört, passt diese Verbindung wie „Faust aufs Auge“.

Zum Abschluss wird man wieder mit den Bildern der letzten 10 Jahr konfrontiert und kann sich jetzt wo man den Rest gesehen hat auch gut einordnen. In dem Film Painting wurde gezeigt wie diese riesigen Bilder in einem spektakulären Prozess entstehen. Ich war im voraus sehr gespannt, und dann doch eher enttäuscht. Die Bilder sind mir einfach zu groß!  Ich kann sie nicht fassen, geschweige denn begreifen (aber das wäre ja auch anmaßend). Dagegen wirken die kleineren abstrakten Bilder aus der Zeit (etwa 60x40 cm groß) kompakter und versprühen eine einnehmende Intensität.

An einigen Orten sollte man keine Angst vor anderen Menschen haben.

Mein Fazit dieser Ausstellung ist mal wieder sehr positiv. Habe manchmal das Gefühl das ich insgesamt zu unkritisch bin, aber nur deswegen was schlechtes schreiben? Es gibt vielleicht negative Dinge, aber für die kann keiner was. Es ware zu viele Leute in der Ausstellung. Wenn das Publikum begrenzen werden würde, wäre die Wartezeit um ein vielfaches höher und das wäre dann auch keine Lösung. Für mich war es von Vorteil, dass ich alleine dort war und so ganz meinem Tempo nachgehen konnte.
Die Hängung war klassisch und unspektakulär, so wie ich es mag. Der Schaffensweg Gerhard Richters steht im Mittelpunkt und wird hervorragend nachgezeichnet. Eine Rundum gute und solide Ausstellung, die nicht zu wenig, aber eben auch nicht zuviel zeigt.

Es ist noch anzumerken, dass das der RAF-Zyklus "18. Oktober 1977" leider nicht in die Ausstellung intergriert, sondern auf der Museumsinsel fernab zu sehen ist. Es hätte Richters bezug zur Politik oder eben die an ihn gerichteten politischen Unterstellungen greifbarer gemacht.

Die Nationalglerie aus derRichtung der Sigismundstraße

Wer mehr Bilder von Gerhard Richter sehen möchte ist dieser Link empfohlen: gerhard-richter.com
Es gibt auch einen Eintrag über die Ausstellung "Pacific Standard Time"  in Berlin und meine "Schnapschüsse: Einblicke, Durchblicke, Ausblicke"

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